Wohn­genossen­schaften über­nehmen Ver­antwortung

Erneuerung Siedlung Am Glattbogen

Wohn­genossen­schaften über­nehmen Ver­antwortung

Durch die Neubauten kann die Anzahl der Wohnungen «Am Glattbogen» deutlich erhöht werden.

Auftraggeberin

ASIG Wohngenossenschaft, Zürich

Zeitraum

2011 - 2012

Ansprechperson

Men-Duri Gaudenz

m.gaudenz@planwerkstadt.ch

+41 (0)44 456 20 18

Architektur

pool Architekten, Zürich

Stadt Zürich, Schwamendingen

Am Glatt­bogen stand bis 2014 eine von ASIG Wohn­genossen­schaft erstellte Sied­lung aus den frühen Fünf­ziger­jahren. Sie entsprach in weiten Teilen nicht mehr den Grund­sätzen der Genossen­schaft. ASIG reagierte mit einem sozial­verträg­lichen Ansatz, welcher teils auf sanfte Sanie­rung setzt, aber auch die etappierte Errich­tung von Neu­bauten vor­sieht. Dies erlaubt eine Moderni­sierung und Anpassung an die demo­grafische Entwick­lung und gleich­zeitig die Bewah­rung bestehender Siedlungs- und Frei­raum­strukturen. Plan­werk­stadt begleitete ASIG im Vor­haben und wurde mit der Organi­sation des Studien­auftrags betraut.

Die 1950/51 erstellten 125 Reihen­einfamilien­häuser «Am Glattbogen» zählten zu den ersten Projekten von ASIG und wurden von der Stadt Zürich mit der Auszeichnung für gute Bauten prämiert. Die Wohnungen sollten günstig und zeitgemäss sein. Diesem Anspruch fühlt sich die Wohn­genossen­schaft auch heute noch verbunden. Bild: Fotoarchiv der ASIG, Aufnahme aus 1952. 

 

Schwamen­dingen. Ein Stadt­kreis, der polari­siert. Für die einen symboli­siert er das typische Vorstadt­quartier mit schlechtem Ruf. Für andere ist Schwamen­dingen ein Quar­tier mit Dorf­charakter, aktivem Vereins­leben und lärmender Auto­bahn, die das Quartier seit 1980 entzweit. Zwei­geteilt ist denn auch das Quartier­bild. Da sind einerseits zahl­reiche Reihen­häuser mit Pflanz­gärten und durch­grünte Genossen­schafts­siedlungen. Sie zeigen ein als Garten­stadt konz­ipier­tes Wohn­gebiet mit vielen klein­teiligen homo­genen Bauten aus den Vierziger- und Fünf­ziger­jahren. In jüngerer Zeit hinzu­gekommen, sind andererseits viele grosse Infra­struktur­bauten und auch gross­mass­stäbliche Wohn­sied­lungen. Die einstige land­schafts­orientierte Gartenstadt ist einem Wandel unterworfen. 

Type 1
Type 15

Asig sucht den Dialog

Die Stadt Zürich hat mit Fachleuten, Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern Grundsätze für die Entwicklung von Schwamendingen erarbeitet und im April 2005 ein städtebauliches Leitbild veröffentlicht. Es wurden 14 Teilgebiete für die Weiterentwicklung definiert. Die Wohngenossenschaft ASIG war bei der Erarbeitung des Leitbilds beteiligt.

ASIG ist mit Schwamendingen verwurzelt. Zahlreiche Siedlungen hat die Genossenschaft, unter anderem in den Arealen «Am Glattbogen» und «Herbstweg», aber auch im «Dreispitz», errichtet. Der Geschäftssitz der 1943 gegründeten Arbeiter-Siedlungsgenossenschaft (ASIG) befindet sich denn auch im «Dreispitz». Für dieses Areal führte ASIG 2008 eine Testplanung durch, um Aufschluss über die Weiterentwicklungsmöglichkeiten zu erhalten. 

Schwamendingen im Wandel
Vor über 80 Jahren wurde Schwamen­dingen in die Stadt Zürich eingemeindet. Es folgte enormes Wachstum und ein Wandel vom Bauerndorf am Stadtrand zur urbanen Wohnstadt in Flughafen­nähe. Zürich-Nord wurde Heimat vieler Wohnbau­genossen­schaften, die einst wie heute eine wichtige gesell­schafts­politische Verantwortung tragen und bezahl­baren Wohnraum schaffen. Zahlreiche Siedlungen sind mittler­weile in die Jahre gekommen und die Genossen­schaften haben Handlungs­bedarf. Es tut sich was im Quartier. Schwamendingen - auf dem besten Weg zum Trendquartier?

Täglich verkehren 110'000 Personen- und Lastwagen auf der Autobahn A1, die mitten durch Schwamendingen führt. Die geplante 30 m breite Einhausung wird das Lärm- und Abgasproblem der Quartierbevölkerung lösen und auf dem Dach eine begehbare, rund einen Kilometer lange, Erholungszone schaffen, die das entzweite Quartier nach über vierzig Jahren wieder vereint. Die Vorarbeiten wurden 2017 aufgenommen. Mit den Hauptarbeiten wird im Jahr 2019 begonnen. Bild: agps architecture, Rotzler Krebs Partner / Visualisierung: Raumgleiter GmbH, Zürich / Auftraggeber: Bundesamt für Strassen ASTRA.

Type 14
Im Kreis 12 wird die lang ersehnte Einhausung der Autobahn A1 noch reichlich Potential für eine Wohnstadt von morgen freisetzen.

Das Amt für Städtebau hat die Ideen aus der Testplanung Dreispitz weiter vertieft und daraus ein Leitbild für das Umfeld der Wallisellenstrasse erarbeitet. Seit 2011 dient dieses als Grundlage für die planungsrechtliche Umsetzung bei Projekten im Quartier. Wie sich das Leitbild konkretisieren lässt, wollte ASIG mit einem zukunftsweisenden Projekt «Am Glattbogen» unter Beweis stellen. 

Type 7

Die Mischung zwischen Sanierung und Ersatzneubau lässt eine sozial­verträgliche und etappierte Erneuerung zu. Bilder mit den Reihenhäusern vor Beginn der ersten Bauetappe.

Type 5
Eine zeit­gemässe Über­bauung realisieren, heisst in die Zu­kunft investieren.

Optimum vor Maximum

Getreu den Grund­sätzen von ASIG zählten verschiedene Kriterien zu den Ziel­setzungen für die Gesamt­über­bauung. Namentlich:

  • Eine städte­bauliche Strategie, die beide Reali­sierungs­phasen mit­einschliesst (1. Phase bis 2020 / 2. Phase ab 2030).
  • Eine zeit­gemässe Über­bauung mit hohen städte­baulichen, architek­tonischen und frei­räumlichen Qualitäten.
  • Schaffung von gross­zügigem und kosten­günstigem Wohn­raum. Innovative Wohnungen für alle Alters­gruppen.
  • Nach­haltiges und wirtschaftlich vor­bildliches Projekt über den gesamten Lebens­zyklus vom Bau über Betrieb, Unterhalt, Umnutzung bis zum Rück­bau.

Auftakt zur Ideen­stufe des Studien­auftrags war im Früh­ling 2011. Nach Abgabe und Zwischen­präsen­tation im Juli 2011 folgte die Projektstufe. Die zu erstellenden Wohnungen sollen auf die veränderten Gesell­schafts­struk­turen reagieren und einen aus­gewogenen und viel­fältigen Mix der Wohn­bevölkerung ermöglichen. Es soll gross­zügiger und günstiger Wohn­raum für Familien, aber auch für Ein- und Mehr­personen­haus­halte ohne Kinder, geschaffen werden. Die Bedingungen der Wohn­bau­förderung galt es einzu­halten. 

Type 9
Type 14

Die von pool architekten bis 2018/2019 realisierten Ersatzbauten «Am Glattbogen» setzen auch künftig auf die quartierprägenden Elemente wie geringe Geschossigkeit, grosszügige Grünflächen und feingliedrige Wegnetze. Visualisierung oben: maaars.

Type 5
Type 15

Das Beurteilungsgremium empfahl der Bauherrschaft nach eingehender Gewichtung aller Aspekte das Projekt «Oszillator» zur Weiterbearbeitung. Das Siegerprojekt von pool Architekten mit Kuhn Landschaftsarchitekten, Raumanzug Haustechnik und Bauphysik sowie dsp Ingenieure & Planer hat gemäss Bericht des Beurteilungsgremiums, das Potential, einen wesentlichen Beitrag zur Transformation der Gartenstadt Schwamendingen und dem genossenschaftlichen Wohnungsbau leisten zu können.

Leistungen Planwerkstadt AG
  • Klären der Randbedingungen / Aufbereitung der Grundlagen
  • Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie
  • Verfassen des Programms für den Studienauftrag
  • Organisation und Durchführung eines zweistufigen Studienauftrags
  • Raumplanerische und städtebauliche Beratung
  • Entwicklungsplanung Wohnsiedlung «Dreispitz»
  • Organisation und Begleitung Testplanung Einhausung
Realisierung in Etappen
Das Konzept sieht vor, einen Teil der Siedlung minimal zu sanieren und bis ca. 2030 weiter zu bewirtschaften respektive einen Teil in Etappen ab 2014 durch Neubauten zu ersetzen. Die Mischung zwischen Sanierung und Ersatzneubau ermöglicht eine sozialverträgliche Erneuerung des Quartiers und einen teilweisen Erhalt der ortstypischen Siedlungsstruktur bis 2030. Zur Findung eines städtebaulich, architektonisch und sozial geeigneten Projekts über diesen langen Zeithorizont wurden 10 Architekturteams zu einem zweistufigen Studienauftrag eingeladen. Sieger wurde das Projekt «Oszillator» von pool Architekten. Es entstehen total 229 Wohnungen mit 70 verschiedenen Wohnungstypen.
Text / Redaktion 
Rebekka Zumsteg
Bilder 
Juliet Haller