Lange geplant und bald gebaut

Gestaltungsplan Kinderspital

Lange geplant und bald gebaut

Unter Einbindung kantonaler und städtischer Ämter erarbeitete Planwerkstadt den kantonalen Gestaltungsplan für den Neubau des Zürcher Kinderspitals.

AUFTRAGGEBERIN

Kinderspital Zürich - Eleonorenstiftung

vertreten durch KOMOXX GmbH
Planung- und Projektmanagement

ZEITRAUM

2014 - 2017

ANSPRECHPERSON

Bettina Weber

b.weber@planwerkstadt.ch

+41 (0)44 456 20 16

ARCHITEKTUR

Herzog & de Meuron, Basel

Stadt Zürich, Lengg

Das Kinder­spital Zürich ist in der Schweiz das grösste Spital für die Ver­sor­gung von Kindern und Jugend­lichen. Für den benötigten Neu­bau wurde im April 2012 das Projekt der Basler Architekten Herzog & de Meuron zum Sieger eines zwei­stufigen Wett­bewerbs gekürt. Planwerkstadt erarbeitete parallel zum Vor­projekt unter Ein­bindung ver­schiedener kan­tonaler und städtischer Ämter den kan­tonalen Gestal­tungs­plan.

150 Jahre Kinderspital Zürich – 2018 ist ein Jahr zum Feiern. Fortschritt und Wandel prägten die Geschichte des Universitäts-Kinderspitals Zürich seit den Anfängen im Jahr 1868 als der Zürcher Conrad Cramer mit einer Spende den Grundstein für die von ihm gegründete «Eleonorenstiftung» legte. Die Stiftung zu Ehren seiner früh verstorbenen Gattin Eleonore ist bis heute die Trägerin des Spitals. Foto: Universitäts-Kinderspital Zürich.

Am heutigen Standort in Zürich-Hottingen werden jährlich rund 100'000 Patientinnen und Patienten behandelt. Die Klinik zählt zu einem der führenden Zentren der Kinder und Jugendmedizin in Europa. Problematisch sind die sehr engen Platzverhältnisse seit jeher. Kontinuierlich gestiegen, ist über die Jahre die Zahl der Patienten aber auch die Anzahl der Gebäudeeinheiten – sie machten die Anlage zu einem Labyrinth für Angestellte, Betroffene und Angehörige. Damit das Spital auch in Zukunft seinen Leistungsauftrag erfüllen kann und die Versorgungssicherheit für Kinder und Jugendliche gewährleistet bleibt, ist ein Neubau in Zürich-Lengg erforderlich.

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Bevor das Grossprojekt gebaut werden kann, brauchte es unter anderem das für die Realisierung notwendige Planungsinstrument.

2012 wurde ein Wettbewerb für den Spitalbau und ein Gebäude für Labor, Lehre und Forschung am neuen Standort durchgeführt. Die Stiftungsexekutive des Kinderspitals hat das Projekt von Herzog & de Meuron einstimmig zum Sieger des zweistufigen Verfahrens gekürt. Es war das wirtschaftlichste Projekt mit einer hohen betrieblichen Funktionalität, dem geringsten Flächenverbrauch und dem geringsten Volumen. Gleichzeitig entsprach es in hervorragender Weise der Forderung nach einem kindergerechten Gebäude. Infolge des Eintrags im kantonalen Richtplan und weil sich der funktionale Holzbau der Basler Architekten nach Regelbauweise nicht realisieren lässt, wurde mit einem kantonalen Gestaltungsplan das für die Realisierung notwendige Planungsinstrument geschaffen.

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GUT DING WILL WEILE HABEN

Der kantonale Gestaltungsplan wurde durch Planwerkstadt im Auftrag der Eleonorenstiftung erarbeitet. Dabei waren zahlreiche kantonale und städtische Ämter und Dienstabteilungen involviert. Planwerkstadt steuerte den zweijährigen Planungsprozess. Die zeitlich engen Vorgaben bedingten, dass die Erarbeitung des Gestaltungsplans im iterativen Prozess parallel zum Vorprojekt erfolgte und so die erforderliche Schärfung schrittweise sichergestellt wurde. Während der öffentlichen Auflage im Frühling 2016 gingen 29 Einwendungen ein, die im Bericht zu den Einwendungen behandelt wurden. Anfangs 2017 wurde der kantonale Gestaltungsplan durch die Baudirektion festgesetzt. Seit Ende September 2017 ist dieser in Kraft. In nur zwei Monaten hatte der Stadtrat im Anschluss die Baubewilligung für den 600 Mio. Franken teuren Neubau im November 2017 erteilt. Auf diesen Tag hatten die Verantwortlichen über zehn Jahre gewartet. 

Stimme zum Projekt
Stadtrat Dr. André Odermatt

Vorsteher des  Hochbaudepartements der Stadt Zürich, Stiftungsrat Kinderspital

«Ich freue mich, dass die Stadt Zürich mit dem neuen Kinderspital einen Bau von Herzog & de Meuron bekommt und dass sich am Ort des heutigen Kispi für die Stadt neue Möglichkeiten eröffnen.»

Das Kinderspital verteilt sich in Zürich-Lengg auf zwei Areale. Auf dem Südareal soll das Akutspital realisiert werden und auf dem Areal Nord das Labor-, Lehr- und Forschungsgebäude. Die Kispi-Baustelle ein Jahr nach Spatenstich im Mai 2019 (Bild unten). 

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Die Baustelle neben Burghölzli und Schulthess-Klinik läuft auf Hochtouren. Der Bau des lang gezogenen, dreigeschossigen Akutspitals aus Holz und des sechsstöckigen Rundturms für Forschung und Lehre hat mit dem Spatenstich von Anfang Mai 2018 begonnen. Die Neubauten sollen bis Ende 2022 nach fünfjähriger Bauzeit bezugsbereit sein. Einst ging man von lediglich vier Jahren aus. Die Komplexität des Grossprojekts war aber höher als angenommen. Finanziert wird der Grossteil der Investition durch die Eleonorenstiftung. Sie steuert mit 350 Mio. Franken rund 60% bei. 150 Mio. Franken übernimmt der Kanton Zürich und 100 Mio. Franken sind durch Spenden und Gönnerbeiträge gedeckt.

Basler in der Limmatstadt
Das Kinder­spital ist in der Limmat­stadt der erste Bau der renommierten Basler Archi­tekten Herzog & de Meuron. Künftig wird das Spital 94'000 Quadrat­meter Geschoss­fläche belegen und rund 2'200 Personen beschäf­tigen. Der Bau soll aus­reichend Kapa­zität bieten für jähr­lich ca. 9'200 stationäre Patienten und ca. 42'000 Patienten auf der Not­fall­station.

Das Siegerprojekt der Basler Architekten Herzog & de Meuron soll bis Ende 2022 fertiggestellt sein. Visualisierungen: Universitäts-Kinderspital Zürich.

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Das Erdgeschoss ist der «öffentlichste» Bereich. Besucher und Patienten erblicken den bepflanzten Einganshof.

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Die Spitalleitung ist überzeugt, dass das Wohlbefinden am neuen Standort für alle Beteiligten besser sein wird. Es soll den Genesungsprozess der kleinen Patienten entscheidend begünstigen. Dafür verantwortlich seien verschiedene Faktoren wie Materialisierung - Holz ist der dominierende Baustoff -, Raumgestaltung und Raumanordnung, welche die Orientierung erleichtern und die Privatsphäre erhöhen. Aus Kinderaugen betrachtet ist wohl auch die geschätzte Nähe zum Boden sympathisch und für die Angehörigen bilden die grosszügig gestalteten Aufenthaltsbereiche im Neubau Gelegenheit zum Durchatmen. Patienten brauchen viel «Pazienza».

Leistungen Planwerkstadt
  • Klärung Ausgangslage und Grundlagen
  • Erarbeitung kantonaler Gestaltungsplan
  • Koordination mit kantonalen und städtischen Dienstabteilungen
  • Durchführung Ämter-Vernehmlassung
  • Erarbeitung Unterlagen für die kantonale Vorprüfung und die öffentliche Auflage
  • Überarbeitung der Unterlagen und Durchführung der formellen Verfahren bis zur Rechtskraft

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Text / Redaktion 
Rebekka Zumsteg
Bilder 
Juliet Haller