In die Höhe wachsen und Boden zurück gewinnen

Entwicklungsrichtplan Spreitenbach

In die Höhe wachsen und Boden zurück gewinnen

Spreitenbach bietet mehr als nur Shopping. Die neue Zentrumsplanung schafft Wohn- und Freiraum.

AUFTRAGGEBER

Credit Suisse Real Estate Fund Interswiss

ZEITRAUM

2012 - 2018

ANSPRECHPERSON

Dieter zumsteg

d.zumsteg@planwerkstadt.ch

+41 (0)44 456 20 11

Spreitenbach AG

Das Shoppi­Tivoli ist Spreiten­bachs Aus­hänge­schild weit­um. Zu­künftig direkt an der Limmat­tal­bahn ge­legen, bildet das Ge­biet des in den Sechziger­jahren er­richteten Ein­kaufs­zen­trums sowie das süd­lich an­grenzende Areal der Gemeinde grosses Ent­wick­lungs­potential an zentraler Lage. Der durch Planwerk­stadt erar­beitete Entwick­lungs­richt­plan stellt als behörden­verbind­liches Planungs­instrument die Basis für alle Planungen in diesem Raum dar.

«Wir bauen ein Paradies» war der Werbeslogan des Shoppingcenters Spreitenbach kurz vor dessen Eröffnung im Jahre 1970. In Zeiten der Hochkonjunktur war das Shoppingcenter visionärer Ausdruck neuer Lebensformen und gesellschaftlicher Entwicklungen. Nun, fast 50 Jahre nach Errichtung, werden für das Areal um das erste Schweizer Einkaufszentrum seiner Art die Weichen neu gestellt. 

Die Eigentümerin des ShoppiTivoli beabsichtigt, auf ihrem Areal zwei Wohnhochhäuser, ein weiteres Wohnhaus sowie ein neues Parkhaus zu erstellen. Diese sollen ein Gegengewicht zu den heutigen Einkaufsnutzungen bilden und zu einer Nachverdichtung dieses Raums an besterschlossener Lage beitragen. Das benachbarte Areal der Gemeinde birgt grosses Potential für einen grosszügigen Freiraum und eine Innenentwicklung Spreitenbachs. 

2013 lancierte die Credit Suisse gemeinsam mit der Gemeinde und dem Kanton eine Testplanung mit drei Planungsteams, um eine langfristige Vorstellung für das Areal zu erhalten. Anhand der Testplanung wurden die städtebauliche Diskussion über diesen zentralen Stadtraum geführt und Schritte für eine qualitätvolle Weiterentwicklung definiert.

Lebendiges Zentrum mit viel Grün

Das zur Weiterbearbeitung beauftragte Team Ruprecht Architekten & blue architects, Balliana Schubert Landschaftsarchitekten und stadt raum verkehr, Birchler Wicki, konsolidierte den Entwurf unter der Leitung von Planwerkstadt zu drei Richtprojekten.

Type 1

Zukunftsvision einer «Esplanade» mit Blick von der Post in Richtung Langäcker (Visualisierung: Space Communication GmbH).

Type 14

Der Vorschlag des Teams Ruprecht Architekten und blue architects überzeugte mit einer städtebaulichen Setzung der Baukörper, welche sich nahe am Bestand und der hochwertigen Aussenräume orientiert. Bild klein: Konzeptskizze (Balliana Schubert Land­schafts­architekten AG).

Type 10
Type 15

Die verschiedenen Ortsteile von Spreitenbach sollen zusammengeführt und in der Mitte verknüpft werden. Der bisher von Parkplätzen und Strassen dominierte Raum um das ShoppiTivoli erhält einen komplett neuen Charakter. Für die Bevölkerung entstehen ein Stadtpark, eine Esplanade und zum Verweilen einladende Plätze. In den zwei geplanten Hochhäusern und dem «Langhaus» sind gegen 500 Wohnungen vorgesehen. In den Sockeln der neuen Gebäude entstehen Flächen für Dienstleistungsangebote und Cafés, die für ein lebendiges Zentrum sorgen. 

AUS DER VERGANGENHEIT LERNEN

Gebaut vor fast 50 Jahren auf der grünen Wiese nach den Entwürfen des österreichischen Stadtplaners Victor Gruen, wo für die 1'550 ebenerdigen Gratisparkplätze einst genug Platz vorhanden war, konnte das Shoppingcenter in seiner städtebaulichen Grundkonzeption nicht in die bestehende Ortsstruktur Spreitenbachs eingebunden werden. Ein «American Dream» war als gebauter Fremdkörper am Rande des Dorfes in den Obsthainen gelandet.

Ortsteile zusammenführen
Urbane grüne Mitte
Die Zentrums­entwick­lung wird die verschie­denen Orts­teile von Spreiten­bach zusammen­führen und in der Mitte verknüpfen. Der bisher von Park­plätzen und Strassen dominierte Raum um das Shoppi­Tivoli erhält einen völlig neuen Charakter. Für die Bevölke­rung ent­stehen ein gross­zügiger Stadt­park und zum Verweilen ein­ladende Stadt­gärten.

Morgen vs. heute. Blick von der Landstrasse in Richtung Center Mall. (Visualisierung: Space Communication GmbH). Bild klein (Foto: Juliet Haller) 

Type 5
Der bis­her von Park­plätzen und Strassen domi­nierte Raum um das Shoppi­Tivoli soll der­einst einem Stadt­platz weichen.

Begünstigt durch die ausgezeichnete Lage im Einzugsgebiet Zürichs und erschlossen mit einem Autobahnzubringer hat sich das ehemalige Bauerndorf im Limmattal seither rasant entwickelt. Der SBB-Rangierbahnhof und ausgedehnte Konsum- und Dienstleistungsgebiete entlang der Hauptverkehrsachsen (z.B. ShoppiTivoli, IKEA) prägen heute das Image der Gemeinde und tragen dazu bei, dass der Ort Spreitenbach schweizweit wahrgenommen wird. Städtebaulich manifestiert sich dieses Bild nicht nur in den zahlreichen Verkehrsinfrastrukturen, sondern auch in mehreren Hochhäusern, welche wichtiger Teil des damaligen Bildes einer modernen Stadt waren. Die vorliegenden Pläne zur Verdichtung nehmen die gegenwärtige Entwicklung des prosperierenden Limmattals auf und ebnen den Weg für eine qualitative Verbesserung des Lebensraums. Die Vorstellungen, wie man wohnt und arbeitet, haben sich im Laufe der Jahre gewandelt. Die Verdichtung der Siedlungsräume fordert Lösungen mit einer Konzentration von Bauten an hoch erschlossenen Lagen. Mit der erhöhten Erschliessungsgunst durch die Limmattalbahn wird auch in Spreitenbach eine neue Dynamik erwartet, der es umsichtig zu begegnen gilt, damit sich die Geschichte nicht wiederholt.  

Gestützt auf die Richtprojekte wurde ein Entwicklungsrichtplan (ERP) erarbeitet, welcher als behördenverbindliches Planungsinstrument die Basis für alle Planungen in diesem Raum darstellt. Im Anschluss folgen die Ausarbeitung einer Teilrevision der Nutzungsplanung sowie eines Gestaltungsplans. Das Stimmvolk der Gemeinde wird über die Teilrevision befinden können.

Leistungen Planwerkstadt AG
  • Organisation Testplanung 
  • Überführen der Resultate in ein behördenverbindliches Planungsinstrument (ERP)
  • Erarbeitung eigentümerverbindliche Planungsinstrumente (Teilrevision Nutzungsplanung, Gestaltungsplan)
  • Gesamtleitung Planungsprozess
  • Projektmanagement und Koordination aller Disziplinen (Architektur, Landschaft, Verkehr, Umwelt, Kommunikation etc.)

Type 9
Text / Redaktion 
Karin Rüthemann / Rebekka Zumsteg
Bilder 
Juliet Haller